Über mich

Im Herbst 1945 kam mein Vater nach fünf langen Kriegsjahren, in denen er als Stabsarzt an allen Fronten des Kriegs schweres Leid und vielfältigen Tod hatte erfahren müssen, nach Aachen zurück. Dort hatte sich seine junge Frau zusammen mit ihrer kleinen Tochter als Pharmazeutin durchgeschlagen. Das Wiedertreffen der Eheleute muss sehr glücklich gewesen sein, denn schon neun Monate später, genau am 2.8.1946 wurde ich geboren und zwar in einem feuchten Keller eines teilweise ausgebombten Hauses in der Salierallee 35. Den Erzählungen meiner Eltern nach müssen die ersten Lebensjahre schwer gewesen sein. Kälte und Hunger prägten diese Zeit, woran ich mich aber nicht erinnere. Für mich schien in meiner Kindheit immer die Sonne.
Ernst wurde es erst mit der Einschulung in die Volksschule Höfchensweg, wo ich in das deutsche Erziehungswesen (mit all seinen Tücken) eingeführt wurde. Der Wechsel zum Couven-Gymnasium machte die Dinge nicht leichter. Richtig positiv habe ich nur den Sportunterricht in Erinnerung.
Ein Highlight meines Lebens war ein einjähriger Aufenthalt als Austauschschüler in den USA. Ich besuchte dort als 17jähriger Stipendiat eine private sogenannte „prep-school“ in Shaker Heights, einem reichen Vorort von Cleveland/Ohio. Die Schule war sehr „demanding“, da die „boys“ ausgebildet („prepared“) wurden, um anschließend die besten „colleges“ des Landes zu besuchen. Gerne wäre ich nach meinem amerikanischen Abitur in Amerika geblieben, aber das war 1964 natürlich noch nicht möglich. Uns hätte auch das Geld gefehlt, eine solche Ausbildung zu finanzieren.
Zurück am Couven-Gymnasium musste ich meine restliche Zeit „absitzen“. Nur der Sport und das Schulorchester, in dem ich über die zweite Geige nie hinauskam, hielten mich „alive“.
Die anschließende 18monatige Bundeswehrzeit war auch nicht besser, ehrlich gesagt, eigentlich deutlich schlechter. Am Ende (Herbst 1968) konnte ich kaum noch die Zeitung lesen, so sehr war ich geistiger Anstrengung entwöhnt.
Das Studium der Jurisprudenz, das ich im Wintersemester 1968/69 an der Universität Bonn begann, brachte mich intellektuell auch nicht gerade auf Trab. Aber die Politik bestimmte mein Leben. Es war die Zeit der Studentenrevolte, der ich sehr aufgeschlossen gegenüberstand und an der ich im Studentenparlament mitwirken wollte. Über alle möglichen Resolutionen, vor allem gegen die Notstandsgesetze, die Hochschulreform und den Vietnamkrieg, sind wir aber nicht hinausgekommen.
Deshalb suchte ich mein Glück noch einmal im „Ausland“ und wechselte im Sommersemester 1969 an die Universitäten Lausanne und Genf in der Schweiz. Am schönen Genfersee, insbesondere in den dortigen Weinbergen über Vevey, hätte ich mein Leben verbringen können, aber auch hier fehlten wieder die dafür sehr erheblichen Finanzen.
Zum Abschluss meines juristischen Studiums wechselte ich nach Münster (auch um der Politik zu entgehen, die mich zeitlebens fesselte), besuchte dort aber nicht die Universität sondern bereitete mich in einem einsamen Studentenzimmer durch das Studium von Skripten eines Fernrepetitoriums, denen ich mich 12 Stunden am Tag widmete, auf das erste Staatsexamen vor, das ich im Frühjahr 1972 mit einem sogenannten Prädikatsexamen (die Note „vollbefriedigend“ kennt außer Juristen kein Mensch) bestand.
Wie es in meinem Leben weitergehen sollte, bedachte ich als „hippie“ in den Wäldern Kaliforniens zusammen mit meinen Schulfreunden aus Cleveland. Es war eine wilde Zeit von allerdings nur einigen Monaten. Hier zwang mich nicht das fehlende Geld zurück nach Deutschland, denn in unseren selbstgebauten Holzhäusern lebten wir sehr genügsam. Vor allem der Wein aus dem nahegelegenen „ Nappa Valley“ war unglaublich gut und außerdem sehr billig. Auch die anderen zu dieser Zeit gängigen Rauschmittel waren „affordable“. Aber ein Leben alleine in der Natur und ohne weiteren Lebensehrgeiz erschien mir dann doch nicht wirklich erstrebenswert.
Die Überlegungen zu meinem weiteren Leben hatten schließlich ergeben, dass ich noch einmal ein Zweitstudiums der Wirtschaftswissenschaften versuchen wollte. Die Wahl des Studienortes fiel auf München. Leider stellte sich aber bald heraus, dass ich dort mein Leben – selbst auf niedrigstem Studentenniveau – nicht finanzieren konnte. Ich entschied mich – nolens volens – das Studium erfolglos abzubrechen.
Und so kam ich am 1.Januar 1973 nach Aachen zurück und begann hier eine damals noch dreijährige Referendarzeit. An dieses habe ich gute Erinnerungen, nicht wegen der Güte der Ausbildung, die – mit Verlaub – grottenschlecht war. Sondern wegen der Annehmlichkeiten des Lebens. Ich hatte ein festes Gehalt als Beamter auf Widerruf und arbeitete nebenher in einem Anwaltsbüro, das unsere nicht schlechten Bezüge netto auszahlte. Dadurch war ich auf einmal „richtig reich“, zumal ich als Lediger sämtlichen bürgerlichen Pflichten enthoben war.
Diese unbeschwerte Zeit ging zu Ende, als ich Anfang 1976 auch mein zweites Staatsexamen bestand und mich in Einzelkanzlei als selbstständiger Anwalt niederließ. Dies sicherte zwar meine Freiheit, die mir immer wichtig war, bedeutete aber auch harte Arbeit, die ich bis dahin in meinem Leben nicht kennengelernt hatte. Schwierig waren die Dinge auch deshalb, weil ich neben der Arbeit noch kommunalpolitisch engagiert war und als Mitglied der SPD-Fraktion einige Jahre im Aachener Stadtrat aktiv war. Diese Doppelbelastung war auf Dauer nicht durchzuhalten, zumal ich zwischenzeitlich meine spätere Ehefrau Brigitte kennenlernte, die in Aachen als Ärztin und Psychotherapeutin tätig war. Hinzu kamen schnell zwei Töchter, die bis zu ihrem jeweiligen Abitur in unserem Familienheim lebten. Heute ist Alice Juristin in Berlin, Nicola Lehrerin in Düsseldorf. Die Großfamilie beleben noch zwei Enkelkinder.
Nach Aufgabe der Politik wurde mein Leben geprägt durch die Tätigkeit als Anwalt. Es gelang mir, aus der Einzelkanzlei eine Kanzlei von Fachanwälten mit am Ende 10 Anwälten aufzubauen. Jeder Sozius musste zwei große Anwaltsfelder als Fachanwalt beherrschen. Für mich waren es das Arbeitsrecht und das Insolvenzrecht.
Neben der Familie und der Arbeit blieb mir der Sport. Als ehemaliger Leichtathlet mit einem Schwerpunkt auf der Mittelstrecke kam ich zum „Joggen“ und zum Marathonlauf. Zusammen mit meiner Frau und der Tochter Nicola spielte ich Tennis, bestritt sogar Medenspiele, kam aber als Spätstarter über ein unteres Mittelmaß nicht hinaus. Wegen eines lädierten Knies musste ich schließlich sowohl das Joggen als auch das Tennisspielen aufgeben.
Deshalb startete ich mit 52 Jahren ein „neues Leben“ als Weitwanderer. Erst ging es – noch im Nachklang meiner katholischen Sozialisation – von Aachen nach Santiago de Compostela, wo ich zusammen mit meiner Ehefrau an meinem sechzigsten Geburtstag ankam. Danach ließ mich das Fernwandern nicht mehr los und ich ging von Aachen nach Rom. Jetzt bin ich – mittlerweile glücklicher Rentner – auf dem Wege von Aachen nach Wien. Auf dieser Strecke bin ich schon in Klagenfurt/Kärnten angekommen. Ich lade Sie ein, mich bis Wien – auf Facebook – zu begleiten.